No-Wash-Movement: Eine unrealistische Lösung für ein realistisches Problem?

No-Wash-Movement: Eine unrealistische Lösung für ein realistisches Problem?

19/09/2023
Lesezeit: 4 Min.

Wir haben es alle miterlebt: Während der Pandemie wurde alles doppelt und dreifach geputzt und gewaschen, um potentielle Viren zu vermeiden. In 2023 aber schwingt das Pendel in die andere Richtung und online gibt es einen neuen Trend: Das „No-Wash Movement“. Gestützt von Star-Power wie Designerin Stella McCartney, bezeugen Konsument:innen online, dass man Kleidung nicht so oft waschen muss – was neben der Umwelt auch den Fasern zugutekommt.

Tatsächlich ist Kleidung langlebiger, wenn sie nicht so oft gewaschen wird – das ist wichtig im Hinblick dessen, dass viele sich beim Kleiderkauf aktuell zurückhalten. Nicht zuletzt drücken die weiterhin steigenden Lebenshaltungskosten den deutschen Konsument:innen auf das Portemonnaie, was das Sparen von Wasser und Strom durch eine geringere Waschmaschinennutzung begehrenswert macht.

Die Wassersparmaßnahmen der Deutschen

Auch wenn nicht jede:r direkt damit aufhört, die eigene Jeans zu waschen, haben viele Deutsche bereits Sparmaßnahmen beim Wäschewaschen ergriffen. So geben beispielsweise zwei von fünf der Verbraucher:innen an, es vermieden zu haben, die Waschmaschine halb leer laufen zu lassen, um Geld zu sparen. Das führt zu einer niedrigeren Waschfrequenz und somit zu einem geringeren Wasserverbrauch.

Für Unternehmen heißt das, dass sie sich auf fallende Verkaufszahlen einstellen müssen, da eine niedrigere Waschfrequenz auch mit einem geringeren Waschmittelverbrauch einhergeht.

Das Henkel Perwoll Renew Spezialwaschmittel für Weißwäsche lässt Kleidung wie neu aussehen, indem es bereits aufgeraute Fasern glättet und so ihre Langlebigkeit erhöht.
Bildquelle: Mintel GNPD

Die Dürren in Deutschland haben Politik und Verbraucher gleichermaßen auf den Wert des flüssigen Golds aufmerksam gemacht. Die Konsequenz: Überall wird an Wasser gespart. Zwar bedeutet das nicht, dass Kleidung nur noch gelüftet wird, auch wenn dies die Hauptstrategie der „No-Wash“- Bewegung ist. Vielmehr ist der Hauptgedanke dahinter, Wasser dort zu reduzieren, wo es möglich und sinnvoll ist. Ein Viertel der Verbraucher:innen hat zwecks Kostenersparnis beispielsweise öfter die Öko-Wascheinstellung genutzt. Hier sehen wir noch Luft nach oben: Unternehmen können an diesem Punkt ansetzen, um ihre Kunden besser über das Waschen zu informieren.

Wie wir von der Vergangenheit lernen können

Die oben genannten Spartricks eröffnen reichlich Potenzial für Refresher Sprays, um die Zeit zwischen den Waschzyklen zu verlängern. Besonders interessant ist das für eine stark wachsende Zielgruppe in Deutschland: Singles. 31 Prozent  der alleinstehenden Haushalte waschen weniger als einmal die Woche. Ältere Generationen sollten die Praktik noch aus ihrem früheren Alltag kennen, hat man vor 1960 die Kleidung doch oftmals nur alle 3 bis 4 Wochen gewaschen.

Bildquelle: Mintel GNPD
Der dm Denkmit 3in1 Textilerfrischer neutralisiert hartnäckige Gerüche, glättet Knitterfalten und desinfiziert Stoffe gleichzeitig, was die Zeit zwischen dem Waschen in der Waschmaschine erhöhen kann.
Bildquelle: Mintel GNPD

Ist das aber auch heute noch denkbar? In der Tat sind so lange Abstände zwischen den Wäschen heutzutage schwer umzusetzen. Mehr und mehr Kleidung – insbesondere von Fast-Fashion-Marken – besteht aus synthetischen Fasern, die im Vergleich zu organischen Stoffen geruchsbildende Bakterien fördern. Gerade in Zeiten, in denen moderne Einzelhändler wie Shein auf dem Allzeithoch sind, ist es für Verbraucher:innen daher wenig praktikabel, das Waschen drastisch zu reduzieren. Die zeitlichen Abständen zwischen den Waschgängen zu verlängern ist hingegen machbar und aus einer Kosten-Perspektive sogar ratsam.

Unser Fazit

Auch wenn wir in Zukunft nicht oft Menschen treffen werden, die ihre Kleidung gar nicht waschen, führen der aktuelle Kostendruck und das gesteigerte Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu einem Wandel beim Waschverhalten. 

Dabei ist es wichtig, dass Unternehmen stärker über kosten- und ressourcensparendes Waschen aufklären und zeigen, wie Energie- und Kosteneffizienz mit nachhaltigem Handeln einhergehen. Unternehmen, die Produkte für Langlebigkeit ins Rampenlicht rücken, wie zum Beispiel Textilerfrischer für Zwischendurch oder Waschmittel mit Zusätzen für die Faser-Regenerierung, werden langfristig erfolgreich sein. So kann aus einer “No-wash”- auch schnell eine “Low-wash”-Bewegung  werden, was langfristig für einen breiteren Anklang als der komplette Verzicht aufs Waschen sorgen dürfte.

Yasemin Holtemayer
  • Sie wollen mehr zu Waschmittel, Weichspüler und Textilerfrischer erfahren?
    In unserem Mintel Report finden Sie die wichtigsten Insights....
    Jetzt entdecken
  • Mintel Leap
    Mintel Leap
    Mintel Leap ist eine neue KI-Plattform, die Ihren Forschungsprozess revolutionieren wird....
    Demo buchen
In Verbindung stehende Artikel

Empfohlene Downloads