Nachhaltiges Reisen – Zwischen guten Vorsätzen und echtem Handeln

Nachhaltiges Reisen – Zwischen guten Vorsätzen und echtem Handeln

04/12/2023
Lesezeit: 4 Min.

Die zivile Luftfahrt ist nach Angaben des EU-Parlaments für 13,4 Prozent der CO2-Emissionen im Verkehrssektor der Union verantwortlich. Bis zum Jahr 2050 sollen 70 Prozent des Flugzeugtreibstoffs aus nachhaltigen Quellen stammen, so die neueste Entscheidung des EU-Parlaments.

Allerdings zeigt sich auch, dass zwischen dem guten Vorsatz der Deutschen nachhaltig zu reisen und ihrem tatsächlichen Verhalten eine Kluft besteht. Mintels Marktforschungsbericht zu Nachhaltigkeit im Tourismus befasst sich mit den Gründen und zeigt auf, wie  Tourismusunternehmen konstruktiv auf diese innere Zerrissenheit reagieren und Verbraucher:innen bei der Umsetzung und Planung von nachhaltigen Reisen unterstützen können.

Steigende Kosten drängen Nachhaltigkeit in den Hintergrund

Die Inflation lastet schwer auf dem Reisebudget: So geben 72 Prozent der Reisenden an, dass die Kosten für einen Urlaub den größten Einfluss auf ihre Reiseplanung haben. In der Folge schaut die Mehrheit der Verbraucher:innen lieber aufs Portemonnaie als auf die Nachhaltigkeitsaspekte. Nachhaltig bedeutet jedoch nicht zwangsläufig teurer: Hierzulande gibt es schließlich auch eine Vielzahl an grünen und preislich fairen Angeboten. EDEKA Reisen wirbt beispielsweise mit dem 49-Euro-Ticket für Inlandsreisen, mit dem man grün unterwegs ist, ohne zusätzliche Transportkosten zahlen zu müssen.

Mit dem 49-Euro-Ticket der Deutschen Bahn quer durch die Bundesrepublik – auf nachhaltigem Weg.
Bildquelle: Edeka Reisen

Lückenhaftes Wissen über nachhaltiges Reisen schürt Unsicherheit

Nachhaltigkeit im Tourismus ist ein komplexes Thema. Während der Fokus häufig auf dem Umweltschutz liegt, gehören neben den ökologischen Aspekten zwei weitere Säulen dazu: die der sozialen und der ökonomischen Nachhaltigkeit. In der Umsetzung heißt das: Holistisch nachhaltige Reiseangebote sollten sowohl Umweltressourcen schonen, als auch die Kultur der Einheimischen bewahren und stabile Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort schaffen.

In der Umsetzung hakt es nicht zwingend am Begreifen: Obgleich zwei von fünf der Mintel-Befragten angeben, ein gutes Verständnis von grünem Reisen zu haben, empfinden es 60 Prozent als Mehraufwand, einen nachhaltigen als einen konventionellen Urlaub zu buchen. Dies trägt sicherlich dazu bei, dass Reisende ihre Absichten in puncto Nachhaltigkeit nicht in die Tat umsetzen. 

Ansetzen lässt sich hier beim Informationsangebot und beim Buchungsprozess. Ganzheitlich nachhaltige Reiseangebote benötigen mehr Sichtbarkeit, etwa durch nutzungsfreundliche Buchungsportale, die basierend auf den drei Säulen erklären, weshalb ihre Angebote nachhaltig sind.

Inlandstourismus in Deutschland: Neben beliebten Reisezielen wie Bayern oder Berlin haben auch andere Städte wie Düsseldorf viel zu bieten.

Greenwashing: Fehlendes Vertrauen in Nachhaltigkeitsversprechen 

Ein weiterer Grund, nicht nachhaltig zu reisen, ist die als lückenhaft empfundene Transparenz der Reiseanbieter. Drei von fünf (62 Prozent) glauben, dass viele Reiseunternehmen Greenwashing betreiben. Auch der Verbraucherschutz kritisiert Praktiken, wie zum Beispiel die CO2-Kompensation bei Flügen, wegen irreführender Behauptungen und Kommunikationslücken. Nachhaltigkeit im Tourismus büßt dadurch an Glaubwürdigkeit ein. 

Um das Vertrauen der Reisenden zu gewinnen, können Touristikunternehmen Nachhaltigkeit messbar machen, so wie es  KlimaLink e.V. plant. Der Zusammenschluss aus Unternehmen und Verbänden der Branche plant bis 2024 ein einheitliches Berechnungsmodell, mit dem Reisende die Klimaauswirkungen touristischer Angebote und somit ihren Klimafußabdruck miteinander vergleichen können. Zertifizierungen, die den Rahmen der Nachhaltigkeit entlang der drei Säulen prüfen, können dies noch weiter vereinfachen.

Unser Fazit

Investitionen der Reiseunternehmen in nachhaltige technische Lösungen, wie beispielsweise nachhaltige Treibstoffe in der Luftfahrt, sind ein wichtiger Bestandteil, insbesondere um Emissionen an der Quelle zu reduzieren und Reisen langfristig klimaneutral zu gestalten.

Mintels Erhebungen und Forschung zeigen jedoch, dass neue Technologien allein nicht ausreichen, um die Tourismusindustrie ganzheitlich auf Nachhaltigkeit auszulegen. Vielmehr sollten Unternehmen zwecks Transparenz stärker auf die Reisenden eingehen und mehr Informationen zu grünen Urlaubsangeboten bieten.

Silvia Hondt
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