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Die Deutschen machen sich mehr Gedanken um die Auswirkungen von Fleischkonsum auf Gesundheit und Umwelt, und damit ist auch das Interesse an alternativen Proteinquellen einschließlich Seegräsern wie zum Beispiel Chlorella- und Spirulina-Algen gewachsen. So haben laut einer aktuellen Untersuchung von Mintel tatsächlich bereits drei von fünf deutschen Verbrauchern Algen als Proteinquelle probiert oder würden dies gerne tun.

Laut der globalen Produktdatenbank von Mintel (GNPD) waren Algen als Inhaltsstoff in weniger als 1 % aller zwischen 2014 und 2015 in Europa auf den Markt gebrachten Lebensmittel- und Getränkeprodukten enthalten. Dennoch bahnen sich Lebensmittel- und Getränkeprodukte, die auf Algen basieren, allmählich ihren Weg auf den Markt, denn die zahlreichen gesundheitlichen Vorteile von Algen rücken zunehmend in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Algen bieten eine effektive Unterstützung bei der Bekämpfung mehrerer weit verbreiteter Zivilisationskrankheiten – von Fettleibigkeit bis hin zu Diabetes und Depression; sie enthalten viele Phytonährstoffe, Vitamine und Mineralien und weisen einen hohen Proteingehalt auf. Das sollte besonders der jüngeren Generation in Deutschland gefallen; bei einer Umfrage im Jahr 2015 gaben 42 % der Verbraucher im Alter zwischen 16 und 24 Jahren an, sie konsumierten bewusst mehr Eiweiß als noch im vorherigen Jahr. Doch Algen bieten nicht nur Ernährungsvorteile, sie gelten auch als nachhaltige Pflanzen, die in beinahe jedem Ökosystem auf der Welt vertreten sind.

Allerdings sprechen Algen nicht nur diejenigen Verbraucher an, die nach alternativen Proteinquellen Ausschau halten. Durch ihre natürliche grüne Farbe können Algen auch auf Gesundheit bezogene Werbeversprechen unterstützen, zum Beispiel wenn sie gemeinsam mit anderen grünen Inhaltsstoffen wie Grünkohl, grünem Tee oder Weizengras eingesetzt werden. Dies könnte bei deutschen Verbrauchern besonders gut ankommen: gemäß einer Mintel-Untersuchung gibt über die Hälfte der Deutschen zwischen 16 und 24 Jahren an, ihren Lebenswandel ändern zu wollen, um gesünder zu leben.

Dies könnte einer der Gründe dafür sein, weshalb auf Algen basierende Produkteinführungen in der Kategorie Säfte und Smoothies quasi ihr natürliches Zuhause gefunden haben. Jüngste Produkteinführungen in Deutschland sind beispielsweise das Weizengrasgetränk von Rabenhorst mit Spirulina-Mikroalgen und Grüntee-Extrakt, „Green Hero“ von Alnavit mit Spirulina und Matcha und der grüne Smoothie von True Fruits mit Rucola, Minze & Chlorella.

Chlorella Algae DrinkGreen Hero Organic SmoothieGreen Smoothie with Rocket, Mint & ChlorellaWheatgrass Drink with Spirulina Micro Algae and Green Tea Extract

Im Bereich der kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränke sind auf Algen basierte Produkteinführungen jedoch nach wie vor extrem selten. Eine innovative Ausnahme kommt von dem österreichischen Start-up-Unternehmen Evasis Edibles, das im Jahr 2015 „Helga“ auf den Markt gebracht hat, ein auf der Süßwasser-Mikroalge Chlorella basierendes kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk. Helga, dessen Name von „healthy algae” abgeleitet ist, wird als kalorienarme Alternative zu gewöhnlichen zuckerreichen Kohlensäuregetränken beschrieben. Auf dem deutschen Markt herrscht tatsächlich eine Nachfrage nach Getränken mit wenig Zucker; in Deutschland gibt die Hälfte der Verbraucher an, den Konsum von zuckerhaltigen Lebensmitteln zu reduzieren bzw. zu vermeiden.

Helga von Evasis Edibles legt zudem einen besonderen Schwerpunkt auf seine hohe Konzentration an Vitamin B12, hochwertigen Proteinen und Omega-3-Fettsäuren – allesamt Nährstoffe, die Veganern und Vegetariern fehlen können. Der hohe Chlorophyllgehalt der Algen soll außerdem die Entgiftung des Körpers und das allgemeine Wohlbefinden fördern. Insgesamt hat sich der Markt für kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke auf natürlichere Rezepturen und ausgereifte Aromen eingestellt; die Einführung von Algen ist ein interessanter Meilenstein in diesem Entwicklungsprozess. Da das Verbraucherinteresse an natürlich funktionalen Produkten nun im Massenmarkt angekommen ist, sollte der Superfood-Charakter von Algen weiter in den Vordergrund von Innovationen im Bereich Lebensmittel und Getränke gerückt werden.

Julia Buech ist Food & Drink Analystin mit Fokus auf Deutschland bei Mintel. Sie ist darauf spezialisiert, eine Reihe von Nahrungsmittel- und Getränkekategorien im deutschen Markt zu analysieren. Als sie im Jahr 2009 als Trend & Innovation Consultant zu Mintel stieß, war Julia dafür verantwortlich, für Mintels deutschsprachige Kunden maßgeschneiderte Analysen zu Produktinnovationen durchzuführen und Kundensupport zur Verfügung zu stellen.

Julia Buech
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