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Mintels Globale Lebensmittel- & Getränke-Trends haben dieses Jahr durch eine Reihe verschiedenster Ereignisse Veränderung erfahren. In diesem zweiten Teil dieser Artikelreihe erläutern wir, in welchem Ausmaß die Corona-Krise Einfluss auf den Mintel-Trend „Intelligente Ernährung“ genommen hat.

Übergewicht und Diabetes gelten als mögliche Lebensstilfaktoren, die einen schweren Verlauf der Corona-Krankheit begünstigen können. Dabei handelt es sich um gesundheitliche Aspekte, die sich teilweise mithilfe speziell abgestimmter Ernährungsweisen in den Griff bekommen ließen – und daher neue Anreize für Mintels Trend „Intelligente Ernährung“ schaffen.

Um sich gegen das Virus zu rüsten, versuchen die Verbraucher, ihre körperliche und geistige Gesundheit mithilfe von hyper-individualisierten Ernährungsplänen zu verbessern. Die Pandemie hat mehr Akzeptanz für technologische und wissenschaftliche Neuheiten geschaffen, wodurch das Thema „Personalisierung“ in diesem Bereich noch rascher voranschreiten wird.

Intelligente Ernährung

Die Pandemie hat klar gemacht, dass es sich bei der eigenen Gesundheit nicht nur um ein persönliches, sondern auch um ein öffentliches Anliegen handelt.

„We are in this together“, „Wir sitzen im selben Boot“ – so lautete das inoffizielle Motto, das im Jahr 2020 in den traditionellen und sozialen Medien verbreitet wurde und daran erinnern sollte, dass wir die Pandemie nur gemeinsam bekämpfen können.

Die rasante Verbreitung des Virus zeigte, wie schnell eine Person zum Superspreader werden kann – mit erheblichen Auswirkungen für die Gesellschaft. Daher sind soziale Distanzierungsmaßnahmen noch immer vonnöten, um Menschen der Risikogruppen zu schützen und die Infektionsraten insgesamt zu senken. Die rasant ansteigenden Infektionszahlen belegen, dass die eigene Gesundheit mittlerweile ein öffentliches Anliegen geworden ist.

Diese Einsicht verleiht der „Intelligenten Ernährung“ neues Gewicht. Mehr Verbraucher werden versuchen, ihr gesundheitliches Befinden auf neuen Wegen zu verbessern. Dies trifft insbesondere auf Menschen der Risikogruppen zu, die mit ernährungsbezogenen Gesundheitsproblemen wie Diabetes oder Übergewicht zu kämpfen haben – denn diese können wiederum einen schweren Verlauf der Corona-Krankheit begünstigen.

Technologie erfährt durch die Pandemie mehr Akzeptanz

Beinahe über Nacht verlagerte sich das reale Leben in die virtuelle Welt. Vom Schulunterricht zur Arbeit bis hin zum abendlichen Umtrunk mit Freunden: fast alles findet nur noch über das Internet statt. Mintel Trends prognostiziert, dass uns dieser Umstand auch noch weit nach der Pandemie erhalten bleibt.

Die Menschen haben sich an die neue Situation angepasst und weitere technologische Neuheiten übernommen, um ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden zu fördern. Potenziell könnte das bedeuten, dass Verbraucher Datenerfassungen und auch DNA-Tests künftig weniger misstrauisch gegenüberstehen. Diese Dienstleistungen könnten beispielsweise dabei helfen, individuell zugeschnittene Ernährungspläne zu erstellen.

Gesundheit zugänglich machen

Mit steigendem Interesse an gesundheitsfördernden Innovationen geht Mintel davon aus, dass die Nachfrage die Preise solcher DNA-Tests und technologischer Dienstleistungen bis 2030 drücken wird. Im Hinblick der nicht zu schwinden scheinenden Pandemie wollen Verbraucher jedoch nicht lange warten und sofort etwas für ihre Gesundheit tun. Neben den Regierungen und Krankenkassen können auch Unternehmen dabei helfen, gesündere Ernährungsweisen zu bewerben und zu unterstützen.

US-Einzelhändler Kroger ist bereits auf den Zug aufgesprungen und hat ein Pilotprogramm für Diabetes-Patienten entwickelt. In dessen Rahmen stellt das Unternehmen Diabetikern Ernährungsberater zur Seite, die sie beim Lebensmitteleinkauf im Geschäft beraten.

Ein interessantes produktbezogenes Beispiel liefert uns der Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Dessen neuestes NesQino Trinksystem mit dazugehöriger App ist im Premium-Segment zu verorten und richtet sich an junge Erwachsene in China. Mit dem System, bestehend aus einer Q-cup Maschine und Superfood- und Smoothie-Pulver, können bis zu 21 verschiedene Getränke zusammengestellt und individuell an die eigenen Bedürfnissen und den jeweiligen Gusto angepasst werden.

Die neue Generation von individuell zusammenstellbaren Produkten

Individualisierbare Proteinmischungen

Personalised Protein Co gibt an, einer der ersten Hersteller von individualisierbaren Proteinmischungen zu sein. Zu Beginn werden Kunden dazu gebeten, einen kurzen Test zu machen und ihre präferierte Proteinquelle anzugeben. Neben Proteinen hat das britische Unternehmen auch Vitaminstoffe und Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere im Angebot.

Smoothie-Abo

Die japanische Firma Greenspoon bietet ein monatliches Abo für Smoothies an, die auf den jeweiligen Käufer und dessen Lebensstil abgestimmt sind. Für die Geträne können Kunden aus über 60 Obst- und Gemüsesorten sowie Superfoods auswählen.

Stoffwechsel-Tracking

Bei Lumen handelt es sich um einen tragbaren Kohlendioxidsensor, der in Echtzeit den körperlichen Energiebedarf ermitteln soll. Dabei wird mehrmals täglich in das Gerät gepustet, um den Stoffwechsel per Atem zu tracken. Basierend auf den Resultaten bietet die dazugehörige Smartphone-App einen persönlich zugeschnittenen Ernährungsplan an. Erhältlich ist das Gerät ist in den Vereinigten Staaten.

Unser Fazit

Das Leben im Lockdown und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie haben Mintels Globale Lebensmittel- & Getränke-Trends beeinflusst, verändert und teils beschleunigt. Verbraucher erwarten, dass Unternehmen künftig einen größeren Fokus auf das Wohlergehen der Menschen und des Planeten legen, wie im Trend „Die Welt im Wandel“ beschrieben. Im Hinblick auf die langen Lieferketten und die Lebensmittelsicherheit geht der Trend zu lokalen Herstellern und den sogenannten „Hightech-Ernten“, während das Thema „Intelligente Ernährung“ durch die Corona-Krise noch stärkeren Aufwind genossen hat. Feststeht jedoch eines: Technologische Innovationen müssen Hand in Hand mit Nachhaltigkeit gehen und dabei das Wohl der Erde und des Menschen unterstützen.

Jenny Zegler
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