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Laut der Ergebnisse einer neuen Untersuchung von Mintel, wurden im Jahr 2015 in Deutschland mehr vegane Produkte als in jedem anderen europäischen Land eingeführt. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass immer mehr deutsche Hersteller auf den „Vegan“-Zug aufspringen wollen. Doch während es in Deutschland kaum an süßen oder salzigen Aufstrichen mangelt, die als „vegan“ vermarktet werden, waren derartige Streichkäseprodukte bis jetzt noch so gut wie nicht vorhanden.

28 % der Deutschen kaufen oder essen keinen veganen Käse, da dieser „zu unnatürlich“ ist

Das kann weitgehend dadurch erklärt werden, dass die Rezepturen veganer Käseersatzprodukte eine Herausforderung für Lebensmittelhersteller darstellen. Denn trotz der wachsenden Popularität der rein pflanzlichen Ernährung, sind Geschmack und Natürlichkeit für Verbraucher weiterhin die größten Anreizpunkte eines Produktes.

Der hohe Fettgehalt, die lange Zutatenliste, sowie die starke Präsenz von Verdickungsmitteln, Stabilisatoren und Emulgatoren verringerte somit bis jetzt die Attraktivität von veganen Käsealternativen. In der Tat gaben bei einer Mintel-Umfrage im Jahr 2014 fast ein Drittel (28 %) der deutschen Erwachsenen an, keinen veganen Käse zu kaufen oder zu essen, da dieser „zu unnatürlich“ sei.

Im Oktober 2015 brachte Hochland — einer der größten Käsehersteller Europas — jedoch einen frischkäseähnlichen Brotaufstrich unter der neuen ‚Simply V‘ Marke auf den deutschen Markt. Dieser wird auf Nussbasis hergestellt, hat eine überschaubare Anzahl an Zutaten und kommt ohne Geschmacksverstärker aus. Da vegane Käsealternativen meist aus Soja hergestellt werden, ist die Entscheidung Hochlands trendige Zutaten wie Mandeln und Kokosöl zu verwenden besonders erwähnenswert.

Zu gleichen Zeit bringt der Hersteller selbst mehr als einhundert Jahre Erfahrung bei der Käseproduktion mit sich, was eventuelle Bedenken der Verbraucher rund um den Geschmack des veganen Brotaufstrichs ausräumen sollte. In der Tat ist der authentische Geschmack das Alleinstellungsmerkmal der Simply-V-Reihe, der laut den Angaben des Unternehmens dem von „echtem Streichkäse“ sehr nahe kommen soll.

Creamy-Fresh Vegan Spread Nut-Nougat Vegan Spread Vegan Spread with Colourful Peppers Vegan Spread with Herbs

Die Aufstriche sind zurzeit als süße und herzhafte Varianten in den Sorten ‚Bunte Paprika‘, ‚Kräuter‘, ‚Nuss-Nougat‘ und ‚Cremig-frisch‘ erhältlich. Die vegane Simply V Reihe ist zurzeit in einigen Mainstream-LEH-Märkten in Deutschland erhältlich, darunter Globus, Tegut und Kaufland, sowie in der veganen Supermarktkette Veganz.

Hochland ist damit neben Rügenwalder Mühle und Söbbeke einer der ersten großen deutschen Unternehmen, die sich von ihrem eigentlichen ‚Kerngeschäft‘ wegbewegen und mit vegetarischen und veganen Optionen experimentieren. Auffällig ist auch die Tatsache, dass Hochland eine Tochtergesellschaft,  E.V.A. GmbH, eigens für die Überwachung der Entwicklung, Produktion und Vermarktung von veganen Produkten ins Leben gerufen hat. Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen mit einem großen Wachstum für den veganen Sektor rechnet.

Hochlands veganer Brotaufstrich ist ein interessanter erster Versuch in einen potenziell sehr lukrativen Markt einzusteigen. Dennoch bleibt abzuwarten, ob das Unternehmen in der Lage ist, an die Erfolge von Rügenwalder Mühle anzuknüpfen, die es geschafft haben, ihr vegetarisches und veganes Angebot auf den Mainstream-Markt in Deutschland zu bringen. In Zukunft sollten Hersteller von Käsealternativen nach Wegen suchen, um ihre Produkte natürlicher zu machen und eine überzeugende Clean-Label Nachricht an ihre Kunden zu vermitteln.

Katya Witham ist Senior Food Analystin mit Fokus auf Deutschland bei Mintel. Ausgestattet mit umfassendem Wissen über den deutschen Markt, identifiziert und analysiert sie die wichtigsten Trends in verschiedenen Konsumgüterkategorien. Sie bringt mehr als sieben Jahre Erfahrung in der Marktforschung und Lebensmittelindustrie mit sich, einschließlich praktischer Erfahrungen aus ihrer früheren Rolle in der strategischen Private-Label Entwicklung bei METRO Group.

Katya Witham
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