Today in Retail: Spannende News aus dem Bekleidungshandel

Today in Retail: Spannende News aus dem Bekleidungshandel

21/08/2023
Lesezeit: 7 Min.

Jeden Monat geben wir Ihnen spannende Einblicke in die Welt des Modeeinzelhandels. Welche Trends bestimmen die Branche, welche Neuigkeiten gibt es von den großen Händlern? Hier finden Sie die Antworten.

Barbiecore bringt Spaß und Leichtigkeit ins Shopping-Erlebnis 

In Zeiten der Krise verspricht der Barbiecore-Trend Verbraucher:innen einen optimistischen, pinken Ausgleich. Obwohl der Trend im Jahr 2022 begann, erlebt er seit dem Start des Barbie-Kinofilms im Juli 2023 einen Aufschwung. Auf der ganzen Welt bringen Unternehmen entsprechende Kollektionen und rosafarbene Sondereditionen heraus.

Deutschlands größter Schuhhändler Deichmann widmet der Filmheldin eine Schuh- und Modekollektion, die von einer Reihe von Werbeclips begleitet wird, die die Lebensfreude von Barbie feiern. Aber Deichmann ist nicht der einzige Online-Modehändler, der den Barbie-Moment für das Marketing nutzt.

Der spanische Einzelhändler Zara eröffnet zwei Pop-up-Stores in Paris und New York, die nahezu exakte Nachbildungen des Barbie-Traumhauses sind. Eine Barbie-Kollektion inklusive. Auch Deutschlands größtes Kaufhaus, das KaDeWe in Berlin zeigt eine Barbiecore-Pop-up-Area. Unter anderem gibt es hier eine lebensgroße Barbie-Box, in der Gäste sich in Barbies verwandeln und diesen Moment fotografisch festhalten können.

Weitere Unternehmen, die auf den Trend setzen, sind Luxusmarken wie Valentino oder Balenciaga, Fast-Fashion-Einzelhändler wie Forever 21 oder Primark, Asos, Crocs und viele mehr.

Unser Fazit

Barbiecore ist mehr als nur ein Marketinginstrument. Konsument:innen finden in Barbies Welt einen Zufluchtsort, an dem sie turbulenten Zeiten kurz entfliehen können. Im Mintel Report Damenmode – Deutschland – 2023, der demnächst erscheint, wird herausgearbeitet, dass mehr als die Hälfte der deutschen Frauen Spaß am Einkauf von Mode hat. Die Sehnsucht nach Ablenkung prägt auch die Verkaufsfläche. Trends wie Barbiecore bieten genau diese, indem sie eine Prise Spaß und Nostalgie mitbringen. 

LVMH wird Sponsor der Olympischen Spiele 2024

Luxusgigant LVMH, der Labels wie Louis Vuitton und Dior hält, wird durch das Sponsoring der Olympischen Spiele in Paris voraussichtlich eine positive Stimmung am Markt erzeugen und so zum zukünftigen Wachstum beitragen. Mit rekordverdächtigen Zuschauerzahlen für dieses bedeutende Sportereignis im Jahr 2024, könnten die Sichtbarkeit und Bekanntheit von LVMH einen signifikanten Boost erleben. Potenzielle Investor:innen und Kund:innen werden gleichermaßen angesprochen.

Erst kürzlich hat LVMH die Aufmerksamkeit eines Milliardenpublikums auf der ganzen Welt auf sich gezogen, als Pharell Williams seine erste Kollektion für Louis Vuitton mit einer aufwändig inszenierten Modenschau präsentierte. Das spektakuläre Event auf dem Pont Neuf lockte ein hochkarätiges Publikum an. Mit der Kooperation beweist  LVMH Courage, sich neu zu erfinden und einen Schritt von Luxus hin zu Streetwear zu wagen. Dabei setzt das Unternehmen sogar auf einen Musiker als Chefdesigner für eine seiner renommierten Marken. Angesichts der zunehmenden Verschmelzung von Sport und Mode wird erwartet, dass einige der LVMH-Labels in den kommenden Saisons Kollektionen mit deutlich sportlichen Einflüssen zeigen werden. Dies entspricht genau den Vorlieben der Verbraucher:innen, da bereits heute zwei Drittel aller deutschen Sportbekleidungskäufer:innen Sportswear als unverzichtbares Element ihrer Garderobe betrachten.

Die Investition in das Sponsoring wird auf beeindruckende 150 Millionen Euro geschätzt. Als größter internationaler Luxuskonzern hat LVMH die finanzielle Stärke, im Vergleich zu kleineren Wettbewerbern mehr in Marketing und Werbung zu investieren. Dieses großzügige Budget ermöglicht es dem Konzern, makroökonomischen und geopolitischen Spannungen standzuhalten, wie die wachsenden Umsatzzahlen belegen. Die Geschäftsbereiche Mode und Lederwaren, zu denen renommierte Marken Louis Vuitton und Christian Dior gehören, verzeichneten im ersten Quartal ein bemerkenswertes Wachstum von 18 Prozent, gefolgt von einem noch eindrucksvollerem Zuwachs von 21 Prozent im zweiten Quartal. Insgesamt generierte das Unternehmen im ersten Halbjahr des Jahres einen Umsatz von fast 21,2 Milliarden Euro und erzielte einen operativen Gewinn von nahezu 8,6 Milliarden Euro.

Unser Fazit

Das Engagement von LVMH als Sponsor der Olympischen Spiele und die Performance der Marken innerhalb der Gruppe setzen ein starkes Signal für die Vereinbarkeit von Luxus und Innovation. Mit einer wirksamen Mischung aus Tradition und zukunftsweisenden Ideen bleibt LVMH ein Big Player in der Modewelt und beweist, dass der Luxusmarkt auch in Zeiten von globalen Herausforderungen florieren kann. 

Tchibo bietet Second-Hand-Mode auf Sellpy an

Tchibo sieht Potenzial im Re-Commerce-Trend und eröffnet einen Pop-up-Shop im deutschen Online-Store des schwedischen Second-Hand-Händlers Sellpy, der zur H&M-Gruppe gehört. Dort bietet Tchibo gebrauchte Modeartikel aus dem Bestand von Tchibo Share an. Bei selbigen handelt es sich um ein Vermietungskonzept des Unternehmens, der hinter den Erwartungen zurückblieb und eingestellt wurde.

Während Leihservices im Allgemeinen einen Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Modeindustrie darstellen, ist die Vermietung von Alltagsmode in Deutschland noch relativ neu und nicht weit verbreitet. Dies spiegeln auch die neuesten Forschungsergebnisse von Mintel für den Report Mode & Nachhaltigkeit – Deutschland – 2023 wider: Lediglich sieben Prozent der Deutschen haben in den letzten Jahren Mode gemietet, und nur 13 Prozent planen dies im kommenden Jahr zu tun.

Die Entscheidung von Tchibo, auf Re-Commerce zu setzen, ist logisch, da Second-Hand bereits heute an Popularität gewonnen hat und für viele Verbraucher:innen eine vertraute Alternative zur Neuware darstellt. In Deutschland haben 30 Prozent der Konsument:innen im vergangenen Jahr Second-Hand-Mode gekauft, und 20 Prozent planen dies für das kommende Jahr.

Unser Fazit

Dennoch ist es auch bei Bei steigendem Interesse an Second-Hand-Mode ist es wichtig, die Entwicklungen am Markt, die Konkurrenz und die Margen im Auge zu behalten. Die Wachstumsrate des in Berlin ansässigen Wettbewerbers von Sellpy, Momox Fashion, ist von 28 Prozent im Jahr 2022 markant auf 11 Prozent gesunken, nachdem sie pandemiebedingt im Jahr 2020 bei 47 Prozent lag.

Hugo Boss prognostiziert einen Jahresumsatz von 5 Milliarden Euro im Jahr 2025

Einer steigenden Zahl von Unternehmen der Modebranche in Turbulenzen zum Trotz, hat Hugo Boss sein Umsatzziel angehoben. Aktuell strebt Hugo Boss einen Umsatz von fünf Milliarden Euro bis 2025 an, zuvor lag die Maßgabe noch bei vier Milliarden.

Ein auf dem zweiten Capital Markets Day vorgestellter Plan erläutert die Expansionspläne: darunter mehr Filialen, mehr Franchise und neue Produktlinien. Das Unternehmen plant, ein Budget von 600 Millionen Euro zu investieren. Einen Großteil der Summe sieht Hugo Boss hierbei für das Filialnetzwerk vor. Während die Modemarke erheblich in den Online-Einzelhandel investiert, glaubt sie gleichzeitig an die Kraft des stationären Einzelhandels. Bis 2025 plant Hugo Boss 500 Geschäfte weltweit zu unterhalten, die mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen werden. Zuvor lag die Zielsetzung noch bei 470 Geschäften.

Die Expansionspläne umfassen auch eine größere Investition in sogenannte Athleisure Wear, um dem Trend nach komfortabler Sportlichkeit gerecht zu werden, der sich während der Pandemie noch beschleunigt hat. In der Tat finden in Deutschland drei Viertel der Befragten, dass es akzeptabel ist, Sportkleidung für Aktivitäten außerhalb des Hauses wie der Arbeit oder zum Einkaufen zu tragen. Dies steht im Einklang mit der Aussage von Hugo Boss, dass 70 Prozent des Umsatzes im Freizeitbereich erzielt werden. Bekannt wurde Hugo Boss zuvor vor allem durch Anzüge und formelle Kleidung.

Unser Fazit

Ein beachtlicher Teil des Erfolgs von Hugo Boss liegt in der Ausrichtung auf junge Verbraucher:innen, gekoppelt an intensive Investitionen im digitalen Bereich. Auch die Anpassung bestehender Kollektionen und die Lancierung neuer  Bekleidungslinien, die eine Generation ansprechen, die bald das Gro der Konsument:innen in der Modewelt abbilden wird, sind zentrale Aspekte. 

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