Sexual Wellness: 7 Differenzierungsmöglichkeiten für Kosmetik- und Körperpflegeunternehmen

Sexual Wellness: 7 Differenzierungsmöglichkeiten für Kosmetik- und Körperpflegeunternehmen

20/11/2023
Lesezeit: 7 Min.

Sexual Wellness boomt. Die Kategorie, die früher tabuisiert war, ist heute auch im normalen Einzelhandel verbreitet. Durch das gestiegene Interesse gibt es mehr Wettbewerb und mehr Innovationen.

Kosmetik- und Körperpflegeunternehmen können den Bereich organisch erschließen, indem sie Sexual Wellness als Selbstfürsorge positionieren. In diesem Artikel erläutert Mintels US-Analystin Clare Henningan, welche Strategien helfen, sich von der Konkurrenz abzugrenzen:

1. Verbindung zwischen Lust und Hautgesundheit

Auch wenn prinzipiell noch mehr Forschung nötig ist, setzen Unternehmen bereits in ihrer Kommunikation auf den Zusammenhang zwischen Orgasmen und gesunder, strahlender Haut.

So bewerben beispielsweise das Kosmetikunternehmen Quem Disse, Berenice? und das Sexual-Wellness-Unternehmen Pantynova zusammen den Orgasmus als Hautpflegeschritt für strahlende Haut.

Consonant Skin+Care hat das limitierte „Come&Glow“-Set herausgebracht (Link nur für Kund:innen zugänglich), das zeigt, wie Masturbation Teil der Hautpflegeroutine werden kann.

2. Im Fokus: Unisex

Bisher hatten Kosmetik- und Körperpflegeunternehmen klassischerweise ein geschlechterorientiertes Marketing. Der Bereich der Intimpflege war da keine Ausnahme.

Wie von Mintel prognostiziert, geraten jetzt jedoch andere Dinge in den Fokus. Weg vom puren männlichen Vergnügen hin zum weiblichen Vergnügen, hin zu mehr Geschlechtergleichheit und allgemeinem sexuellen Wohlbefinden.

Ein genderneutraler Ansatz bei der Entwicklung neuer Produkte eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten, Lösungen zu entwickeln, die von allen Geschlechtern verwendet werden können. So hat das malaysische Start-Up Wondaleaf das nach eigenen Angaben weltweit erste selbstklebende Kondom auf den Markt gebracht, das sowohl von Frauen als auch von Männern getragen werden kann.

Quelle: Wondaleaf

Im Moment fühlen sich Männer beim Kauf von Kondomen wohler als Frauen. Das sollten Unternehmen auf jeden Fall berücksichtigen. Wenn sie Kondome gezielter für die innere Anwendung vermarkten, könnten sich auch Frauen beim Kauf wohler fühlen.

3. Ansprache von bisher nicht berücksichtigten Communities

Unternehmen können gezielt Produkte für Verbraucher:innen anbieten, deren sexuelle Vorlieben bisher nicht beachtet wurden, inklusive Produkte für LGBTQIA+.

Die Kondome der Marke My One beispielsweise sind die ersten, die von der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel, FDA, mit dem Label „sichere und wirksame Anwendung“ für Analsex zugelassen wurden.

Quelle: My One

Lorals Unterwäsche wird beim Oralverkehr zum Schutz vor Geschlechtskrankheiten getragen. Im Gegensatz zu Oral Dams, Latextüchern zur Auflage, müssen sie nicht festgehalten werden.

Quelle: Lorals

Unternehmen können ihre Produktvielfalt jedoch nicht nur für die LGBTQIA+ Community erweitern. Sie können auch mehr für die Inklusion tun, indem sie Produkte für Menschen mit körperlichen Einschränkungen entwickeln. Mintel-Umfragen zufolge sind 60 Prozent der US-Amerikaner:innen der Meinung, dass mehr Unternehmen ihre Produkte so anpassen sollten, dass sie für Menschen mit Behinderungen besser zugänglich sind.

4. Sexuelle Gesundheit der Männer

Studien der Monash University zeigen, dass die Spermienzahl mit zunehmendem Alter abnehmen kann. Das eröffnet Möglichkeiten, die Bedürfnisse von Männern im Bereich Sexual Wellness zu adressieren.

Es gibt zwar Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel gegen erektile Dysfunktion (ED) bei Männern. Unternehmen können aber auch alternative Behandlungsprodukte für Verbraucher entwickeln, die bestimmte Medikamente nicht einnehmen wollen oder können. So hat beispielsweise die von Ärzt:innen gegründete Marke MysteryVibe einen tragbaren Vibrator auf den Markt gebracht, der bei Erektionsstörungen helfen soll.

Quelle: MysteryVibe

5. Berücksichtung der hormonellen Bedürfnisse der Frauen 

Bestimmte Ereignisse und Phasen im Leben wie Schwangerschaft, Menopause und Pubertät können sich auf intime Bedürfnisse und Wünsche auswirken. Immer mehr Unternehmen möchten deswegen Verbraucher:innen auf der Grundlage ihrer individuellen Lebensphasen und hormonellen, gesundheitlichen Bedürfnisse ansprechen.

Vor dem Hintergrund, dass es ein gestiegenes Interesse für Sexual Wellness gibt, können Unternehmen sich an der Schönheitsbranche orientieren und Sexspielzeug und spezielle Produkte (über Gleitmittel hinaus) für Verbraucherinnen entwickeln, die schwanger sind oder sich in der Menopause befinden. So führt Sephora seit Anfang des Jahres Tabu, eine Marke für sexuelle Wellness, die sich an Frauen in den Wechseljahren richtet.

Source: Sephora

6. Im Kampf gegen den rückläufigen Kondomeinsatz

Umfragen von Mintel zeigen, dass jüngere Erwachsene bei Kondomen ein stärkeres Engagement zeigen als ältere Erwachsene. Die Kondomnutzung ist zwar immer noch höher als die der Gesamtbevölkerung, hat aber in den letzten Jahren in den USA bei wichtigen Gruppen abgenommen.

Kondome sind das einzige Verhütungsmittel, das vor Geschlechtskrankheiten schützt, was ihnen einen entscheidenden Vorteil gegenüber alternativen Verhütungsmethoden verschafft. Neben beliebten Auslobungen (wie gefühlsechtes Material) können Kondommarken die präventiven Vorteile von Kondomen deutlicher herausstellen.

Sexual-Wellness-Marken können sich an der Sonnencremeindustrie orientieren, die davon profitiert hat, dass eine Reihe von Vorteilen über die Hautkrebsprävention hinaus hervorgehoben wurde, darunter Anti-Aging und eine strahlendere Haut. Wenn Unternehmen die Vorteile von Kondomen für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden mehr vermarkten, können sie das Interesse steigern.Unternehmen können die Assoziation von Kondomen mit dem Wellness-Bereich stärken, indem sie mit Akteuren in angrenzenden Kategorien, wie der Hautpflegeindustrie und dem Markt für Vitamine, Mineralien und Nahrungsergänzungsmittel, zusammenarbeiten.

7. Zusammen für eine sexpositive Community

Schaffen Sie Plattformen für sexpositive Gespräche und bieten Sie Dienstleistungen und Tipps zur Aufklärung von Verbraucher:innen an. Die Mintel-Forschung zu Verhütungsmitteln zeigt, dass 32 Prozent der Erwachsenen in den USA, die bereit sind, über sexuelle Aktivität und Wohlbefinden zu sprechen, daran interessiert sind, Marken auszuprobieren, die Tools zur Aufklärung über Safer Sex anbieten.

Obwohl immer mehr Verbraucher:innen bereit sind, über ihre psychische Gesundheit zu sprechen, stellt das Gespräch über sexuelle Gesundheit – selbst mit dem eigenen Partner – für viele immer noch eine Überwindung dar. Unternehmen können die Beziehung zu ihren Kund:innen stärken, indem sie ihnen praktische Ratschläge geben, wie sie mit ihren Partner:innenn offen über ihre sexuelle Beziehung sprechen können. Wenn Sie Ihre Kund:innen bei Themen wie der Einbeziehung von Sexspielzeug, sexuellen Vorlieben und Erektionsstörungen unterstützen, kann das einen großen Beitrag zur Bindung an Ihr Unternehmen leisten. Die Sexspielzeugmarke Berry Lemon beispielsweise nutzt ihren Blog, um Tipps mit ihren Verbraucher:innen zu teilen.

FOLX, eine digitale Gesundheitsplattform mit einem Fokus auf queere Personen, wurde als Alternative zum traditionellen US-Gesundheitssystem gegründet, um Queer- und Trans-Patient:innen bequemere und urteilsfreie Dienstleistungen zu bieten. FOLX ist auf die Gemeinschaft mit seinen Mitgliedern ausgerichtet. Die Plattform bietet unter anderem Informationsmaterial an, um Verbraucher:innen bei geschlechtsangleichenden Hormontherapien zu unterstützen, und organisiert auf Instagram Gespräche mit Ärzt:innen über gesundheitliche Probleme.

Unser Fazit

Geben Sie Gesundheitsprodukten einen modernen Anstrich 

Es ist höchste Zeit, dass Unternehmen veraltete Gesundheits- und Hygieneprodukte erneuern, die den Erwartungen der modernen Verbraucher:innen an praktische und ästhetisch ansprechende Produkte nicht mehr entsprechen. Erwägen Sie auch neue Texturen und Formate, um das Konsumerlebnis zu verbessern.

Inspirieren Sie sich an der Kosmetikbranche 

Sexual-Wellness-Marken haben sich Schlüsselthemen der Schönheitsbranche zunutze gemacht, wie z. B. Inklusivität und Inhaltsstoffe als Alleinstellungsmerkmale.  Unternehmen können von dem wiedererwachten Interesse an Sonnenschutzmitteln lernen, indem sie Produkte zur sexuellen „Prävention“ neu vermarkten und sich auf die langfristigen Vorteile einer kontinuierlichen Nutzung konzentrieren.

Beweisen Sie die sexuelle Befriedigung

Verbraucher:innen suchen Unternehmen, die die Wirksamkeit ihrer Produkte mit voller Transparenz unter Beweis stellen. Angesichts des intimen Charakters von Sexual-Wellness-Produkten ist es darüber hinaus wichtig, die Sicherheit in den Vordergrund zu stellen.

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