Sonnenschutz hat sich längst aus dem Strandkoffer befreit. Laut aktuellen Daten von Mintel nutzt inzwischen rund jede fünfte Person in Deutschland Hautpflege-, Make-up- oder Haarpflegeprodukte mit Lichtschutzfaktor. Das nicht nur im Sommerurlaub, sondern als festen Bestandteil der täglichen Schönheitsroutine. Besonders gefragt sind solche Produkte bei Frauen und Konsument:innen unter 45 Jahren.
Wachsender Markt mit entscheidendem Widerspruch
Die Nutzungszahlen des Mintel-Reports von Ende 2025 erzählen eine Geschichte mit zwei Kapiteln. Einerseits ist die Gesamtnutzung klassischer Sonnenschutzmittel im Jahresvergleich gesunken – vor allem bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, die finanziell unter Druck stehen oder besonders von gestiegenen Lebensmittelpreisen betroffen sind. Die Preise für Sonnenschutzprodukte stiegen 2024 deutlich an und blieben 2025 auf hohem Niveau. Andererseits: Wer weiterhin Sonnenschutz kauft, nutzt ihn häufiger und konsequenter. Der Markt entwickelt sich also zweigleisig: weniger Nutzer:innen insgesamt, aber eine intensivere Anwendung bei jenen, die der Kategorie treu bleiben.
Anti-Aging, Longevity und Hybrid-Positionierungen: Die LSF-Produkttrends
Besonders dynamisch ist die Entwicklung im Bereich Gesichtspflege. Hersteller bringen zunehmend Produkte auf den Markt, die LSF 50 in eine Tagespflege-Positionierung integrieren. Seren, Essenzen, leichte Fluide und Kompaktformate machen Sonnenschutz alltagstauglicher. Dadurch fühlen sich wie Skincare und nicht wie die reguläre Sonnenmilch an.
Klassische Feuchtigkeitscremes ohne LSF verlieren dabei nicht pauschal an Relevanz. Doch der Innovations- und Wettbewerbsdruck steigt, auch durch K-Beauty-Produkte aus Südkorea, die häufig als leichte, feuchtigkeitsspendende Primer-Alternativen für empfindliche Haut positioniert werden.
Ein zentrales Aufklärungsproblem bleibt: Ist Sonnenschutz auch bei bewölktem Himmel notwendig? Mintel-Daten zufolge glaubt mehr als die Hälfte der Nutzer:innen noch immer, dass LSF nur bei Sonnenschein notwendig ist. Diese Fehlannahme sorgt für saisonale Nutzungsschwankungen und zeigt, wo Marken mit ihrer Kommunikation ansetzen müssen.
Sonnenschutz unter Make-up: Kaufbarrieren und Vertrauensfragen
Tragekomfort und Hautverträglichkeit sind laut Mintel-Forschung die zentralen Hürden, insbesondere bei jüngeren Nutzerinnen. Häufig genannte Probleme: Pickelbildung, Augenreizungen, klebrige Texturen. Kein Wunder, dass die Vermeidung von Klebrigkeit als wichtigster Produkttreiber in der Kategorie gilt.
Hinzu kommen Inhaltsstoffbedenken: 39 Prozent der Befragten machen sich Sorgen, dass Inhaltsstoffe in Sonnenschutzprodukten gesundheitsschädlich sein könnten. Diskussionen in sozialen Medien und Berichte über mangelhafte Testergebnisse – etwa der australischen Verbraucherschutzorganisation Choice, die mehrere Produkte mit unzureichendem LSF-Schutz identifizierte – verstärken das Misstrauen gegenüber Labortests und Herstellerangaben.
Fazit
Der deutsche Sonnenschutzmarkt befindet sich im Wandel: weg vom saisonalen Urlaubsprodukt, hin zum ganzjährigen Pflege-Baustein. Wer als Marke oder Händler von diesem Trend profitieren will, muss auf alltagstaugliche Texturen, transparente Inhaltsstoffe und eine klare Kommunikation setzen. Das gilt besonders gegenüber der wachsenden, anspruchsvollen Zielgruppe unter 45 Jahren.