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Die Gastronomiebranche ist durch die am 18. März von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Minimierung der sozialen Kontakte eine der am stärksten betroffenen Sektoren der Coronakrise: Restaurants mussten schließen bzw. haben mit eingeschränkten Öffnungszeiten und ausbleibender Kundschaft schwer zu kämpfen, während sie weiterhin laufende Miets- und Personalkosten bestreiten müssen. Ende März machten bereits zwei der größten deutschen Restaurantketten, Vapiano und Maredo, ihre Insolvenz öffentlich.

Lieferdienste und Spendenplattformen eilen zur Rettung

Um dem Umsatzrückgang entgegenzusteuern, haben viele größere Ketten und Vollservice-Restaurants mit Investitionen in Online- und Lieferdienste reagiert. So ist in München die überregionale Burger-Kette Hans im Glück nun auch auf der Lieferplattform Lieferando vertreten.

Bei kleineren Gastro-Unternehmen wie Cafés, Imbissen und lokalen Restaurants haben Spendeninitiativen wie local gastro, pay now eat later und Lokalfreun.de die Einkommensausfälle etwas abgefedert, während Bäckereien ihre Produktangebote zum Teil um Lebensmittel erweitert haben. Auch kleinere Restaurants sind auf Lieferservices umgestiegen; ein gutes Beispiel ist hierfür die lokale Pizzamanufaktur Nine-o-Five, die an ihren Standorten Augsburg, Düsseldorf und München über Lieferando sowie über ihre eigene Webseite eine „Corona Survival Pizza“ anbietet.

Restaurantgenuss für die eigenen vier Wände

Während sich einige Gastro-Unternehmen ausschließlich auf Liefer- und Abholdienste konzentrieren, suchen andere nach kreativeren Wegen, ihren Restaurantgenuss zu ihren Kunden nach Hause zu bringen. Das rheinhessische Weingut Domhof bietet beispielsweise virtuelle Weinverkostungen an, bei denen die Verbraucher sechs Weine im Voraus bestellen müssen, welche dann in einer 40-minütigen Live-Video-Sitzung vorgestellt werden.

Einen innovativen Ansatz verfolgt auch das Frankfurter Margarete-Restaurant: Es bietet verschiedene Halbfertiggerichte als „Margarete zu Hause“-Kochboxen an, die die Kunden zu Hause mit Hilfe eines vom Restaurantpersonal erstellten Video-Tutorials fertig zubereiten können.

Die Nutzung der LIVE-Funktion auf Instagram könnte für Restaurants eine unterhaltsame Möglichkeit sein, mit ihren Kunden in Kontakt zu bleiben und ihre Markenbekanntheit zu steigern. Eine weitere Möglichkeit dieses Ziel zu erreichen bestünde beispielsweise in der Zusammenarbeit mit Online-Gemeinschaften wie den Corona Aktivisten. Diese haben sich zum Ziel gesetzt, kleinere lokale Unternehmen zu fördern und ihren Nutzern Kochkurse per Livestream anzubieten.

Zukunftsweisende Chancen

Gegenwärtig positive Erfahrungen mit Lieferdiensten könnten auch nach der Krise für mehr Auswahl im Take-Away-Sektor sorgen. Dennoch zeigen im Vergleich zu den Baby Boomern (13 Prozent der Befragten) vor allem die technikbegeisterten Gen Zs (48 Prozent) und die Millennials (46 Prozent) Interesse an Lieferdiensten. Die Coronakrise ist für Gastro-Unternehmen so gesehen ein günstiger Zeitpunkt, um sich auch auf ältere Altersgruppen zu fokussieren, sie an Online-Services heranzuführen und auf lange Sicht an Marken zu binden. Unternehmen, die diese Zielgruppen ansprechen wollen, sollten ihre Werbekanäle im Print- und Out-of-Home-Bereich breiter fächern und verstärkt Telefonbestellungen annehmen, anstatt sich einzig auf digitale Bestell-Tools zu verlassen. Etwas Gutes hat die Coronakrise dennoch: Aufgrund von Hygienebedenken sind viele Gastrounternehmen auf bargeldloses Bezahlen umgestiegen, was sich auf lange Dauer positiv auf die Benutzung von Zahlungssystemen wie etwa Mobile-Payment-Lösungen niederschlagen könnte. 

Zwei weitere Aspekte sollten jedoch auch während der Coronakrise nicht unter den Tisch fallen: Langfristig dürfen auch die in der Gastronomiebranche anfallenden Plastik- und Lebensmittabfälle nicht ignoriert werden. Unter Zunahme der „Außer-Haus-Verkäufe“ (Liefer- und Abholdienste) sind dies zwei Gesichtspunkte, die auch weiterhin von wichtiger Bedeutung für die Deutschen sind. Ein interessantes Beispiel sind Coffeeshops und Bäckereien, die aus Hygienegründen derzeit keine wiederverwendbaren Kaffeebecher entgegennehmen, weil die bisherige Forschungslage hinsichtlich des Infektionsrisikos über Oberflächen noch keine eindeutigen Schlüsse zulässt. Durch die gegenwärtigen Umstände ist es ein Leichtes, das Thema Nachhaltigkeit vorerst hintenanzustellen – in Hinblick auf die Umweltbestrebungen darf es jedoch nicht vernachlässigt werden, sondern muss auf lange Sicht fest in Unternehmensstrategien verankert sein. 

 

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Dr. Christina Wessels
Dr. Christina Wessels

Dr. Christina Wessels ist bei Mintel Category Director für die Fachbereiche Lifestyles, Household, Health & Wellbeing, Travel & Leisure.

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