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Seit der Pandemie gewinnt Gesundheit für viele Verbraucher:innen weiter an Bedeutung – und mit ihr ein bewussterer Umgang mit Alkohol. Alkoholfreie und alkoholreduzierte Getränke entwickeln sich zunehmend vom Nischenangebot zur selbstverständlichen Alternative, nicht nur im Handel, sondern auch im Gastgewerbe. Konzepte wie der Münchner Biergarten Die Null stehen exemplarisch für eine neue Trinkkultur, die Genuss, Geselligkeit und Verzicht neu definiert. Aktuelle Marktanalysen von Mintel zeigen, wie stark dieser Wandel die Getränkeindustrie prägt.

Alkoholarm und alkoholfrei im Trend

Der Alkoholkonsum in Deutschland befindet sich weiter im Wandel. Zwar gaben im vergangenen Jahr laut Mintel noch rund drei Viertel der Deutschen an, Alkohol zu trinken, doch der Anteil derjenigen, die darauf verzichten, ist auf 25 Prozent gestiegen – ein Plus von drei Prozentpunkten gegenüber 2024. Parallel dazu bleibt das Interesse an Low- und No-Alcohol-Alternativen hoch: 61 Prozent der Verbraucher:innen konsumierten 2025 entsprechende Getränke, wobei sich das Wachstum zuletzt stabilisiert hat. Besonders alkoholfreies Bier konnte weiter zulegen.

Das alkoholfreie Nitro Stout der englischen „No-Low-Brauerei“ Nirvana soll nach Kaffee, Kakao und Karamell schmecken und gehört zu den Finalisten der diesjährigen Mintel Most Innovative Awards.


Bier bleibt Favorit

Somit ist und bleibt Bier Deutschlands beliebtestes Getränk, egal ob alkoholisch oder alkoholfrei: 68 % der Alkoholkonsument:innen trinken Bier, wobei 48 % auf alkoholarme Varianten setzen. Zusätzlich konsumiert pber ein Drittel der Deutschen regelmäßig alkoholfreies Bier. Doch auch der deutsche Biermarkt befindet sich derzeit im Wandel: Traditionelle Favoriten wie Pils und Weißbier verlieren an Bedeutung zugunsten junger, innovativer Alternativen wie Biermischgetränken und Spirituosenmischungen. Dieser Trend wird durch einen deutlichen Rückgang markengetriebener Innovationen in den letzten fünf Jahren zusätzlich verstärkt, sodass die klassischen Segmente Schwierigkeiten haben, mit den veränderten Konsumpräferenzen Schritt zu halten. Das Reinheitsgebot garantiert zwar „deutsche Qualität“, schränkt jedoch gleichzeitig die kreative Entwicklung ein. Die Möglichkeit, nicht-traditionelle Zutaten wie Hafer, Brot oder Tee zu verwenden, könnte Marken dabei helfen, neue Geschmacksrichtungen und neue spannende Mundgefühle zu kreieren.

Proxis auf dem Vormarsch

Auch Alkohol-„Proxies“ und andere innovative alkoholfreie Alternativen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Ob “Sparkling Tea” wie der von der Copenhagen Sparkling Tea Company oder der Amaro Mondino aus bayerischer Produktion: Diese auf Kräutern, Gewürzen, Tee oder fermentierten Zutaten wie Wasserkefir basierenden Getränke orientieren sich in Präsentation und Mundgefühl an beliebten alkoholischen Originalen, bieten jedoch eigenständige Geschmackserlebnisse. Sie sprechen gezielt Verbraucher:innen an, die nach einzigartigen Alternativen zu herkömmlichen Produkten mit Alkohol suchen – und, wie von der Marke Amaro Mondino beworben, nach „un Dolce Vita senza headache“ (zu Deutsch: einem süßen Leben ohne Kopfschmerzen). Im Zuge des Trends “From Farm to Glass” könnten insbesondere Getränke aus lokaler Herstellung Konsument:innen bei diesem Wunsch abholen und ihnen originelle, regional verankerte Geschmacksrichtungen und lokale Handwerkskunst näherbringen.

Der Bio-Bitterlikör von Mondino kommt ohne Umdrehungen aus und soll nach den alpinen Kräutern Bayerns schmecken.

Wasser als „Go-to“-Alkoholalternative

Mit 60 % der Befragten ist Wasser die Nummer eins der Alkoholalternativen, sowohl zuhause als auch außer Haus. Mintel-Studien zufolge setzen Verbraucher:innen auf gesündere Alternativen, legen jedoch weiterhin Wert auf ansprechende Präsentation und hochwertige Verpackung. Ein neues Flaschen-Design oder Special Editions, z. B. mit unterschiedlichen, zuckerfreien Geschmacksrichtungen oder angereicherten Elektrolyten, können sogar simple Getränke wie Wasser in ein begehrtes Produkt verwandeln. Denn: Kund:innen legen Wert auf Ästhetik, besonders bei gesellschaftlichen Anlässen.

Kalorien- und Zuckergehalt ausweisen

Die Besorgnis über den Zuckergehalt in alkoholarmen und alkoholfreien Getränken hat 34 % der Deutschen davon abgehalten, diese zu konsumieren oder häufiger zu trinken. Darüber hinaus finden 53 % der Soft-Drink-Konsument:innen in Deutschland, dass kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke mit weniger Süße eine ansprechendere Alternative zu alkoholischen Getränken sind als herkömmliche Alternativen. Zudem würde knapp ein Fünftel der Alkoholkonsument:innen ein alkoholfreies Getränk kaufen bzw. mehr davon kaufen, wenn es einen geringeren Kaloriengehalt aufweisen würde als die alkoholische Version. Entsprechende Angaben zu niedrigem Zucker- und Kaloriengehalt sind im Gastgewerbe nach wie vor selten und bilden gleichermaßen eine Chance für Marken und Gastwirt:innen, dies nachzuholen.

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Contributors

Yvonne Bernhardt
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